Marcus Kehr
Dienstag, 20. März 2012
Klassenwechsel

Bei der letzten Kolumne wusste ich noch nicht, in welcher Klasse ich in der Deutschen Meisterschaft an den Start gehen werde, mittlerweile habe ich meinen ersten Sieg in Uelsen eingefahren.
Doch der Reihe nach: Das Training in Spanien hat mir für Uelsen sicher nicht so viel gebracht. Es war nur auf Hartboden und Steinen, überall trockene Pisten und Strecken. In der gesamten Zeit hat es kein einziges Mal geregnet. Das war die beste Vorbereitung für die WM, die ich mir nur wünschen konnte. Deshalb bin ich ja auch dahin gefahren und habe mit der 300er trainiert, die ich ja auch in der WM einsetzen werde. Außer den vielen internationalen Fahrern, die dort in der Region trainieren, hat auch der Mike Hartmann mitgemacht. Der war ohnehin bei der Indoor-WM in Barcelona, die jetzt ja SuperEnduro heißt. Aber auch der Eddi (Hübner) war einige Zeit da. Ich glaube, wir haben uns alle gegenseitig ein wenig motiviert und das hat Spaß gemacht.
Inzwischen fiel auch die Entscheidung, was ich in der Deutschen Enduro-Meisterschaft fahren würde. KTM wollte gerne, dass ich in der E2-Klasse an den Start gehen sollte, hat mir aber die freie Hand in der Wahl des Motorrades gelassen. So habe ich die 250er Zweitakt-Maschine genommen - Damit bin ich ja auch schon 2007 und 2008 gefahren und eine Umstellung auf den Viertakter wäre einfach zu groß gewesen. So konnte das Team Sturm in Zschopau schon die Maschine vorbereiten, und als ich eineinhalb Wochen vor Uelsen zurück von Spanien kam, stand das Motorrad schon fertig aufgebaut da.
Viel Gelegenheit zum Trainieren hatte ich allerdings nicht mehr, denn ich musste auch noch die WM-Läufe in Chile und Argentinien organisieren. Flüge raussuchen, die Hotels mit dem Team buchen, einen Leihwagen vor Ort organisieren usw. Da auch mein Vater als persönlicher Betreuer mitkommt, wurde das ziemlich viel Arbeit. Zum Glück half mir die Elena vom Team Farioli viel. Das ist die Freundin von Simone Albergoni und ist für die Logistik des Werksteams verantwortlich. Das Team kümmert sich auch um das Motorrad, das wird tatsächlich eingeflogen, wie die anderen Werksmaschinen auch. Da hat man offensichtlich mit dem Teamsponsor DHL ein entsprechendes Paket geschnürt.
Die WM in Südamerika ist zwar ein riesiger Aufwand, aber für mich wird es sicher auch ein riesiges Abenteuer!
Dann war auch plötzlich schon Uelsen und wir sind Samstagmorgen los. Die 588 km haben wir, die ganze Familie, mit dem Transporter zurückgelegt und sind vor Ort in eine Ferienwohnung gezogen.
Auch wenn die Etappe nicht viel Gelände hergibt, waren die beiden Sonderprüfungen doch sehr anspruchsvoll abgesteckt. Das hat wirklich Spaß gemacht. Schade nur, dass immer, wenn die Prüfungen so richtig schwer werden, wenn die so zerfahren sind, dass man wirklich auch ein gutes Auge braucht, um schnelle Spuren zu finden, dass dann der Wettbewerb schon rum ist. Deshalb war es gut, dass die zum Schluss, nach den drei Runden, noch eine Sonderprüfung zusätzlich gefahren haben. Das war auch die, die ich am meisten genossen habe.
Mit Klassensieg und Tages-Gesamtsieg kann ich nun fünf Monate lang die Führung in der deutschen Enduro-Meisterschaft behalten, weil es da erst im August in Burg weiter geht. Bis dahin sind aber auch noch fünf (!) WM-Läufe zu fahren.
Dienstag, 28. Februar 2012
Steckbrief
Name: Kehr
Vorname: Marcus
Geburtsdatum: 08.03.1983
Wohnort: Flöha
Staatsbürgerschaft: Deutschland
Beruf: professioneller Enduro-Fahrer und für KTM Adventure-Tours aktiv
Autogrammadresse: Erdmannsdorfer Straße 6, 09557 Flöha
E-Mail: kehrmarcus@aol.com
Homepage: www.marcus-kehr.com
Erstes Rennen: MX: 1997 in Seifen,
Lieblingsstrecke: Zschopau
Größter Erfolg: Deutscher Championssieger 2005-10
Deutscher Meister: 2003-10
Freitag, 10. Februar 2012
Der Kälte entflohen

Bis Ende Januar habe ich brav zuhause trainiert: Die Witterungsbedingungen waren so, dass das problemlos ging. Also einen Tag auf irgendeine Strecke zum Training gefahren, an nächsten Tag wieder das Motorrad fertig gemacht und Konditionstraining. Ich glaube ich bin noch nie soviel gefahren wie diesen Winter.
Aber Ende Januar, als sich dann in Deutschland der Wintereinbruch angemeldet hatte, bin ich los. Genau an dem Freitag, als plötzlich der Schnee fiel und die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sanken. Deshalb war ich auch nicht beim Indoor-Enduro in Leipzig, weil von vorneherein klar war, dass ich irgendwann ohnehin zum Training nach Spanien fahren würde.
Auf dem Weg dorthin haben wir, nach den schlechten Erfahrungen, darauf verzichtet in Frankreich eine Pause zu machen und haben uns beim Fahren einfach abgewechselt.
Aktuell lasse ich es mir in unserer Ferienwohnung in Roses im Norden von Spanien bei gemütlichen Temperaturen gut gehen. Kaum angekommen lacht die Sonne, es ist trocken und wir haben über 16 Grad! Dadurch sinkt natürlich auch das Verletzungsrisiko statt wie bei -10 Grad zu Hause.
Außer meinem Vater und unserem Hund Stella ist für die erste Woche noch meine Freundin Ulrike mitgekommen – die macht ein paar Tage Ferien und fliegt dann schon mal nach Hause.
Jetzt sind wir täglich auf irgendeiner Strecke rund um Girona, da gibt es echt viele Möglichkeiten, auch einige einheimische Fahrer haben hier „private“ Trainingsgelände angelegt. Viele Motocross-Teams und Fahrer habe ich schon getroffen, auch der Marco Tarkkala trainiert hier. Im Verlauf der nächsten Wochen wird man wohl jeden Mal gesehen haben …
Rechtzeitig zum Saisonauftakt bin ich dann allerdings wieder in Uelsen und bis dahin ist dann auch entschieden, mit welchem Fahrzeug ich antreten werde.
GRAFIK: UWE LAURISCH BY ZIEGLER VERLAGS GMBH









